Erich Wiesner lebt seinen Traum - in einer Westernstadt mitten im Ruhrgebiet.

„Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet?” Karl May

Erich Wiesner weiß, wie man das Lasso schwingt und ein Pferd sattelt. Jahrelang hat er daran gearbeitet, die „Sioux Montana Ranch” in Duisburg auszubauen. Er hat schon so manches Greenhorn über seine Ranch geführt. Vorbei am Büro des Sheriffs, vorbei am Geschäft des Schuhmachers, vorbei an den großen Flügeltüren des prächtigen Saloons. Er demonstriert seinen Gästen, wie man ein Lasso schwingt und wie man ein Pferd sattelt. Und die Greenhorns staunen. Staunen über den Mann, der mit Freunden und Herzblut eine eigene Westernstadt in Duisburg erbaut hat. Der ständig mit der Pferdekutsche durch den Stadtteil fährt. Und der über das Leben im Wilden Westen berichtet, als wäre er selbst dabei gewesen. Sie staunen. Über den Cowboy von Rheinhausen.
"Endlich, ein echter Cowboy!"
    

 

„Fuzzy”



„Einmal”, erzählt Wiesner lachend, „hat während eines USA-Urlaubs ein Reisebus neben mir gehalten. Die Leute stiegen aus und fingen an, mich zu fotografieren.” Und was riefen sie ihm zu, die Vollblut-Amis dem Vollblut-Ruhri? „Endlich, ein echter Cowboy!” Kein Wunder, hatte sich der 77-Jährige doch nicht anders gekleidet, als er es zu Hause tut: Mit verzierter Lederweste über dem Holzfällerhemd, breiter Gürtelschnalle und lässigem Cowboyhut.

„Fuzzy” hat man ihn einst wegen seines Barts und der Ähnlichkeit mit der Western-Filmfigur getauft. So nennen sie ihn noch immer. „Meinen richtigen Namen kennen viele nicht.” Doch nicht immer war Wiesner der Cowboy Fuzzy. In der Rhön wuchs er auf, und schon früh war er von den Büchern im Hause seines Opas fasziniert. Vom Apachenhäuptling Intschu-tschuna und dessen Sohn Winnetou, von Blutsbrüdern und Marterpfählen. Stets trug der junge Erich fortan eine Feder im Haar („während der Hitlerzeit wurde ich deshalb beim Jungvolk immer in die letzte Reihe verbannt”) und fasste den Entschluss: „Irgendwann gehe ich nach Amerika!”

Der Umzug nach Rheinhausen sollte der letzte Schritt vor der großen Reise sein. Der Startpunkt zur Erfüllung eines Lebenstraums. Hier, im Ruhrgebiet, wollte der gelernte Maurer sein Startkapital verdienen. Doch dann kam die rheumatische Erkrankung Morbus Bechterew. Und mit ihr das Ende des Traums. „Ich war berufsunfähig, an Amerika war nicht mehr zu denken”erinnert sich Wiesner. „Das waren die schwersten Stunden meines Lebens!”

Doch aufgeben, das kam für Wiesner nicht in Frage. Sein Zustand blieb stabil, bald darauf konnte er gar wieder arbeiten, als Kranführer bei Krupp. Und noch immer schlummerte dieser unerfüllte Traum in ihm. Trotzig fasste er einen neuen Entschluss: Dann hole ich Amerika eben nach Deutschland!
"Sioux Montana Ranch"

1960 gründete Wiesner einen Cowboy- und Indianerverein. Es war der Anfang der „Sioux Montana Ranch”. Und wie der Westen der USA zur Zeit der Besiedlung ist auch ihre Geschichte, nun ja, wild. Aus alten Krupp-Bauhütten schusterten die Mitglieder des Sioux Montana Clubs ihre Westernstadt zusammen. „Manchmal hatten wir nicht einmal mehr Geld für ein Paket Nägel übrig. Aber irgendwie ging es immer weiter”, erinnert sich Wiesner, den selbst das zweimalige Niederbrennen der Holzhütten nicht zum Aufgeben zwingen konnte. Heute verteilen sich 20 Gebäude auf der Fläche von 10 000 Quadratmetern. „Mein Traum”, sagt Wiesner.

Regelmäßig führt der Rentner Schulklassen über die Ranch. Stolz zeigt er ihnen die Gebäude. Das Highlight jeder Führung: Fuzzy greift zur Bullenpeitsche und verwandelt eine Zeitung mit gezielten Hieben in Konfetti. „All' das”, sagt Wiesner, „wäre ohne die Unterstützung meiner Frau nicht möglich gewesen.”
"Was für ein Bekloppter"

Die Frau an des Cowboys Seite ist Irma Wiesner. „Was für ein Bekloppter”, dachte sie, als sie ihren Erich zum ersten Mal im Indianerkostüm erblickte. Seit 1970 sind sie nun verheiratet, haben einen Sohn und eine Enkeltochter.

Und längst hat sich Irma Wiesner damit abgefunden, dass sie nur selten die erste Geige im Leben ihres „Fuzzys” spielt. Das Herz des Cowboys von Rheinhausen – so sagt er selbst – schlägt für eine andere: seine Ranch.

 

 „Fuzzy”

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